Was ist ein Punchout-Katalog?
Ein Punchout-Katalog ist der Onlinekatalog eines Lieferanten, den Besteller direkt aus ihrem eigenen Einkaufs- oder ERP-System öffnen: Sie wählen Artikel zu ihren verhandelten Preisen und übertragen den Warenkorb zurück, statt im Shop zu bestellen. Die Bestellung entsteht, wird freigegeben und versendet im System des Kunden; Shop und Einkaufssystem tauschen die Daten per cXML oder OCI aus.
Dieser Eintrag zeigt den Ablauf einer Punchout-Sitzung Schritt für Schritt, vergleicht cXML und OCI und erklärt den Unterschied zum gehosteten Katalog sowie Level 1 und Level 2.
- Definition in zwei Sätzen
- Ablauf Schritt für Schritt
- cXML und OCI im Vergleich
- Punchout oder gehosteter Katalog
Punchout in Kürze
Ein Punchout-Katalog ist ein Lieferantenkatalog, der beim Lieferanten betrieben und aus dem Einkaufssystem des Kunden heraus aufgerufen wird. Der Benutzer wählt die Artikel im Shop des Lieferanten aus und überträgt den Warenkorb zurück in sein Einkaufssystem, wo daraus nach Freigabe eine Bestellung entsteht.
So läuft eine Punchout-Sitzung ab
Der Begriff beschreibt den Absprung aus dem eigenen System in ein fremdes und die Rückkehr mit Daten. Unabhängig vom Protokoll folgt jede Sitzung demselben Muster.
Start im Einkaufssystem
Der Benutzer beginnt eine Bestellanforderung oder einen Warenkorb und wählt den Punchout-Katalog eines Lieferanten aus.
Sitzungsaufbau
Das Einkaufssystem übergibt dem Shop, wer anfragt und wohin der Warenkorb zurückgehen soll. Bei cXML geschieht das mit einem PunchOutSetupRequest von Server zu Server; der Shop prüft die Zugangsdaten und antwortet mit einem PunchOutSetupResponse, der die Startadresse für den Browser enthält. Bei OCI ruft der Browser den Shop direkt mit Anmeldeparametern und der Rücksprungadresse HOOK_URL auf.
Auswahl im Shop
Der Browser des Benutzers wird in den Shop geleitet. Dort sieht er das für seinen Arbeitgeber vereinbarte Sortiment mit den verhandelten Preisen und legt Artikel in den Warenkorb.
Rückgabe des Warenkorbs
Statt zu bestellen, überträgt der Benutzer den Warenkorb. Der Shop sendet die Positionen über den Browser an das Einkaufssystem zurück: bei cXML als PunchOutOrderMessage, bei OCI als Formular mit NEW_ITEM-Feldern.
Anforderung und Freigabe
Das Einkaufssystem legt aus den Positionen eine Bestellanforderung an. Kontierung, Budgetprüfung und Freigabe laufen nach den Regeln des Kunden.
Bestellung an den Lieferanten
Erst die freigegebene Bestellung geht an den Lieferanten, je nach Vereinbarung als cXML-OrderRequest, per EDI oder per E-Mail. Der Lieferant erkennt die Positionen an seinen eigenen Artikelnummern wieder.
cXML kennt neben dem Neuanlegen auch das erneute Öffnen eines bereits zurückgegebenen Warenkorbs: Mit den Operationen edit und inspect kann der Benutzer den Warenkorb im Shop ändern oder nur ansehen, sofern der Shop das unterstützt.
cXML vs. OCI: die beiden Punchout-Protokolle im Vergleich
Punchout ist das Prinzip, OCI und cXML sind die beiden verbreiteten Protokolle dafür. Welches zum Einsatz kommt, bestimmt in der Regel das Einkaufssystem des Kunden.
| Kriterium | OCI-Punchout | cXML-Punchout |
|---|---|---|
| Herkunft | SAP | Ariba |
| Datenformat | HTML-Formularfelder (Name-Wert-Paare) | XML-Dokumente mit festgelegter Struktur (DTD) |
| Sitzungsaufbau | Der Browser ruft die Shop-Adresse mit Parametern auf | Server sendet PunchOutSetupRequest, Shop antwortet mit PunchOutSetupResponse und Startadresse |
| Anmeldung | Zugangsdaten als Parameter des Aufrufs | Kennungen und gemeinsames Geheimnis im Kopf des XML-Dokuments |
| Rückgabe | HTML-Formular mit NEW_ITEM-Feldern an die HOOK_URL | PunchOutOrderMessage als XML, über den Browser an das Einkaufssystem gesendet |
| Warenkorb erneut öffnen | Nicht als eigene Operation vorgesehen | Operationen edit und inspect |
| Bestellung und Folgebelege | Nicht Teil des Standards | Eigene Dokumente, etwa OrderRequest für die Bestellung |
| Typische Einkaufssysteme | SAP SRM, SAP ERP und S/4HANA, viele Systeme im deutschsprachigen Raum | SAP Ariba, Coupa und viele internationale eProcurement-Systeme |
Punchout-Katalog oder gehosteter Katalog?
Beim gehosteten oder statischen Katalog liegen die Artikeldaten im System des Kunden. Der Lieferant liefert sie als Datei, der Einkauf prüft sie und gibt sie frei. Beim Punchout bleiben die Daten beim Lieferanten.
| Kriterium | Punchout-Katalog | Gehosteter Katalog |
|---|---|---|
| Wo liegen die Artikeldaten? | Im Shop des Lieferanten | Im Katalogsystem des Kunden |
| Wer pflegt Preise und Sortiment? | Der Lieferant, laufend | Der Lieferant liefert Versionen, der Einkauf gibt sie frei |
| Stärken | Sehr große Sortimente, aktuelle Verfügbarkeit, Konfiguratoren | Geprüfte Inhalte, feste Preise, Vergleich über Lieferanten in einer Suche |
| Schwächen | Suche bleibt im jeweiligen Shop, Inhalte ändern sich ohne Freigabe | Pflegeaufwand bei jeder Aktualisierung, ungeeignet für konfigurierbare Produkte |
| Typischer Einsatz | Breite Sortimente für C-Teile, IT, Büro- und Laborbedarf | Verhandelte Kernsortimente und Rahmenvertragsartikel |
Punchout Level 1 und Level 2
Die Begriffe stammen aus der cXML-Welt und beschreiben, wie tief der Lieferantenkatalog in die Suche des Einkaufssystems eingebunden ist.
Bei Level 1 erscheint der Lieferant im Einkaufssystem als ein einzelner Katalogeintrag. Der Benutzer muss wissen, bei welchem Lieferanten er sucht, springt auf die Startseite des Shops und sucht dort.
Bei Level 2 stellt der Lieferant zusätzlich Indexdaten zu Artikeln oder Kategorien bereit, die in den Katalog des Einkaufssystems geladen werden. Die Artikel erscheinen dadurch in der eigenen Suche des Kunden neben den Artikeln anderer Lieferanten. Erst ein Klick auf einen Treffer startet den Punchout, und der Benutzer landet direkt auf der passenden Produkt- oder Kategorieseite im Shop.
| Kriterium | Level 1 | Level 2 |
|---|---|---|
| Einstieg | Startseite des Shops | Produkt- oder Kategorieseite passend zum Suchtreffer |
| Suche | Nur im Shop des Lieferanten | Bereits in der Suche des Einkaufssystems |
| Aufwand für den Lieferanten | Punchout-Anbindung | Punchout-Anbindung und laufende Bereitstellung von Indexdaten |
| Vergleich mit anderen Lieferanten | Erst nach mehreren Absprüngen möglich | Auf Ebene der Suchtreffer möglich |
Worauf es bei der Einführung ankommt
- Mengeneinheiten und Warengruppen des Shops müssen zu den Stammdaten des Einkaufssystems passen, sonst scheitert die Übernahme der Positionen.
- Sortiment und Preislogik gehören in den Vertrag, da der Lieferant die Inhalte selbst ändert.
- Zwischen Rückgabe und Bestellung kann Zeit vergehen. Klären Sie, wie lange die zurückgegebenen Preise gelten.
- Übergeben Sie dem Shop nur die Benutzerdaten, die er für die Sitzung benötigt.
- Legen Sie fest, welche Benutzergruppen welche Punchout-Kataloge sehen und ab welchem Wert eine Freigabe nötig ist.
Verwandte Begriffe und passende Ovenca-Module
- OCI (Open Catalog Interface)
Der SAP-Standard für Punchout mit Feldliste und Beispiel.
- cXML
Das XML-Protokoll für Punchout und Belegaustausch.
- OCI-Katalog
Der Punchout-Katalog im SAP-Umfeld und der Vergleich mit statischen Katalogen.
- Maverick Buying
Warum gut eingebundene Kataloge Bestellungen am Einkauf vorbei verringern.
- Katalog-Shop mit zentralem Punchout-Warenkorb
Mehrere Lieferantenshops und eigene Kataloge in einem Warenkorb.
- Punchout im Source-to-Pay-Prozess
Wo Katalog und Bestellanforderung im Gesamtprozess stehen.
Punchout in vier Punkten
Das Wichtigste für Einkauf und IT
Absprung und Rückkehr
Der Benutzer verlässt das Einkaufssystem nur für die Artikelauswahl. Der Warenkorb kommt als strukturierte Positionen zurück.
- Start aus der Bestellanforderung
- Auswahl im Shop des Lieferanten
- Rückgabe statt Bestellung im Shop
Zwei Protokolle
OCI überträgt Formularfelder, cXML XML-Dokumente. Beide führen zum selben Ergebnis im Einkaufssystem.
- OCI im SAP-Umfeld
- cXML mit Setup-Anfrage zwischen Servern
- Viele Shops unterstützen beides
Level 1 und Level 2
Level 1 führt auf die Startseite des Shops. Level 2 macht Artikel schon in der Suche des Einkaufssystems auffindbar.
- Level 1: ein Katalogeintrag je Lieferant
- Level 2: Indexdaten in der eigenen Suche
- Absprung direkt zum Artikel
Ergänzung zum gehosteten Katalog
Punchout eignet sich für große und konfigurierbare Sortimente, gehostete Kataloge für geprüfte Kernsortimente.
- Beide Formen kombinieren
- Preislogik vertraglich regeln
- Freigabe im eigenen System
Punchout-Shops und eigene Kataloge in einem Warenkorb
Ovenca bindet Lieferantenshops per OCI und cXML an und führt deren Positionen mit importierten Katalogen zusammen.
- Zentraler Punchout-Warenkorb
- Positionen aus mehreren Lieferantenshops landen gemeinsam mit Katalog- und Freitextpositionen in einem Warenkorb.
- OCI und cXML
- Beide Protokolle werden als gleichwertige Punchout-Wege unterstützt.
- Zugriff je Benutzer
- Welche Punchout-Kataloge ein Benutzer sieht, steuern Sie über die Rechteverwaltung im Adminbereich.
- Mehrstufige Freigabe
- Jeder Warenkorb durchläuft denselben mehrstufigen Freigabeprozess mit Kommentaren, unabhängig von seiner Quelle.
- Übergabe an das ERP
- Die freigegebene Anforderung oder Bestellung übergibt Ovenca per Schnittstelle an Ihr ERP.
- Gehostete Kataloge inklusive
- Kataloge per CSV oder BMEcat werden importiert, validiert und nach Freigabe im selben Shop angeboten.
Punchout-Katalog: Fragen und Antworten
Weiterführende Seiten
Punchout-Kataloge zentral bündeln
Wir zeigen Ihnen, wie Bedarfsträger über einen Katalog-Shop in Lieferantenshops abspringen und der Warenkorb in Ihre Freigabe läuft.