Digitale Beschaffung: Prozess, Vorteile und Einführung im Einkauf

Was digitale Beschaffung von E-Procurement und Einkauf 4.0 unterscheidet, wie der digitale Beschaffungsprozess Schritt für Schritt abläuft und was Einkauf, Fachbereiche, Finanzen, IT und Revision konkret davon haben.

Ein Leitfaden für Unternehmen der Privatwirtschaft mit vielen Bedarfsträgern, mehreren Gesellschaften und einem ERP, das führend bleiben soll. Mit Reifegradmodell, typischen Hürden und einer Reihenfolge für den Einstieg im indirekten Einkauf.

  • Definition und Abgrenzung
  • Prozess Schritt für Schritt
  • Vorteile je Abteilung
  • Reifegradmodell und Roadmap

Was ist digitale Beschaffung?

Digitale Beschaffung bezeichnet die durchgängig elektronische Abwicklung des Einkaufs: Vom Bedarf über Bestellanforderung, Freigabe und Bestellung bis zu Wareneingang, Rechnung und Auswertung werden Daten einmal erfasst und von System zu System weitergegeben, statt per E-Mail, Formular oder Tabelle übertragen zu werden.

Digital ist ein Beschaffungsprozess nicht schon dann, wenn ein Papierformular durch ein PDF ersetzt wurde. Entscheidend ist, dass die Daten strukturiert vorliegen: Artikel, Preis, Lieferant, Kostenstelle und Genehmiger sind Felder, mit denen das nächste System weiterarbeiten kann. Erst dann lassen sich Freigaben nach Regeln steuern, Bestellungen ohne erneutes Abtippen an das ERP übergeben und Ausgaben nach Warengruppen auswerten.

In der Praxis betrifft die Digitalisierung im Einkauf zuerst den indirekten Bedarf: Büro- und Verbrauchsmaterial, Arbeitsschutz, Laborbedarf, Werkzeuge, Ersatzteile, IT-Zubehör. Dort gibt es viele Besteller, viele Lieferanten und viele kleine Vorgänge, und dort entsteht besonders viel manueller Aufwand.

Digitale Beschaffung auf einen Blick

Gegenstand
Der gesamte Beschaffungsprozess, operativ und strategisch, einschließlich der Zusammenarbeit mit Lieferanten
Kernprinzip
Daten werden einmal strukturiert erfasst und ohne Medienbruch an den nächsten Schritt übergeben
Typische Bausteine
Elektronische Kataloge, Bestellanforderung, Freigabeworkflow, ERP-Integration, Lieferantenportal, Auswertungen
Beteiligte
Einkauf, Bedarfsträger in den Fachbereichen, Finanzen und Controlling, IT, Revision, Lieferanten
Abgrenzung
E-Procurement ist der operative Teil davon; Einkauf 4.0 beschreibt das Zielbild eines vernetzten Einkaufs

Digitale Beschaffung, E-Procurement, Einkauf 4.0: die Unterschiede

Die drei Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet, meinen aber Unterschiedliches: einen Oberbegriff, eine Systemkategorie und ein Leitbild.

Digitale Beschaffung, E-Procurement, Einkauf 4.0: die Unterschiede
KriteriumDigitale BeschaffungE-ProcurementEinkauf 4.0
Was der Begriff beschreibtDen Zustand, dass Beschaffung durchgängig elektronisch und datenbasiert abläuftDie elektronische Abwicklung von Bestellvorgängen über Kataloge, Bestellanforderungen und FreigabenEin Leitbild, abgeleitet von Industrie 4.0: der vernetzte, weitgehend automatisierte Einkauf
UmfangStrategischer und operativer Einkauf, Lieferantenmanagement, Rechnungsabwicklung, AuswertungVor allem der operative Einkauf, vom Bedarf bis zur BestellungDer gesamte Einkauf einschließlich seiner Vernetzung mit Produktion, Logistik und Lieferanten
Typische WerkzeugeERP, E-Procurement-System, Lieferantenportal, Ausschreibungs- und Vertragsmanagement, RechnungsverarbeitungKatalogsystem, interner Einkaufsshop, Punchout-Anbindung von Lieferantenshops, FreigabeworkflowKein festes Werkzeug; beschrieben werden Fähigkeiten wie automatische Bedarfsauslösung und durchgängiger Datenaustausch
HauptnutzerEinkauf, Fachbereiche, Finanzen, IT und LieferantenBedarfsträger, Genehmiger und operative EinkäuferEinkaufsleitung und Strategie
Wofür der Begriff taugtAls Rahmen für eine Roadmap über mehrere JahreAls konkretes Projekt mit abgrenzbarem UmfangAls Richtungsangabe, nicht als Projektauftrag

Verwandte Begriffe kurz erklärt

Digitalisierung im Einkauf
Der Weg, nicht der Zustand: die schrittweise Umstellung einzelner Abläufe auf elektronische, integrierte Prozesse. Wer von der digitalen Transformation der Beschaffung spricht, meint dasselbe und schließt Rollen und Zuständigkeiten ein.
Purchase-to-Pay und Source-to-Pay
Prozessbegriffe statt Systembegriffe. Purchase-to-Pay reicht von der Bestellanforderung bis zur Zahlung, Source-to-Pay beginnt bereits bei Ausschreibung und Lieferantenauswahl.
E-Vergabe
Die elektronische Vergabe öffentlicher Aufträge. Sie folgt dem Vergaberecht und nutzt eigene Plattformen. Diese Seite behandelt die Beschaffung in Unternehmen der Privatwirtschaft.

Der digitale Beschaffungsprozess Schritt für Schritt

Sieben Schritte, jeweils im Vergleich: wie der Vorgang manuell abläuft und was sich im digitalen Beschaffungsprozess ändert.

Der digitale Beschaffungsprozess Schritt für Schritt
SchrittManuellDigital
1Sortiment und Konditionen bereitstellenPreislisten kommen als PDF oder Excel-Datei per E-Mail. Der Einkauf legt sie ab oder pflegt einzelne Artikel von Hand ins ERP. Welche Liste gerade gilt, weiß oft nur, wer sie verhandelt hat.Lieferanten liefern Kataloge in strukturierten Formaten wie BMEcat oder CSV oder binden ihren Webshop per Punchout an. Der Einkauf prüft und gibt frei; die verhandelten Preise stehen danach allen Bestellern zur Verfügung.Zum Katalogmanagement
2Bedarf und ProduktsucheWer einen Bedarf hat, sucht im Internet, ruft beim Lieferanten an oder fragt eine Kollegin, wie zuletzt bestellt wurde. Ob es einen Rahmenvertrag gibt, ist am Arbeitsplatz nicht ersichtlich.Bedarfsträger suchen in einer Oberfläche über alle freigegebenen Kataloge und Lieferantenshops. Sie sehen nur Artikel, die für ihre Organisationseinheit freigeschaltet sind, mit dem verhandelten Preis.Zum Catalog Shop
3BestellanforderungDer Bedarf wird als E-Mail, Formular oder Zuruf an den Einkauf weitergegeben. Dort werden Artikel, Menge, Lieferant und Kostenstelle erneut ins ERP eingetippt; Rückfragen wegen fehlender Angaben gehören dazu.Aus dem Warenkorb entsteht die Bestellanforderung mit Artikelnummer, Preis, Lieferant und Kontierung. Für Bedarfe außerhalb des Katalogs gibt es Freitextpositionen und Formulare mit Pflichtfeldern.Was ist eine BANF?
4FreigabeGenehmigt wird per Unterschrift oder E-Mail-Antwort. Wer zuständig ist, ergibt sich aus Gewohnheit oder einer Unterschriftenregelung im Intranet. Bei Abwesenheit bleibt der Vorgang liegen, und später lässt sich kaum belegen, wer wann zugestimmt hat.Das System leitet die Anforderung nach Wert, Kostenstelle oder Warengruppe an die zuständigen Genehmiger. Jede Entscheidung wird mit Person, Zeitpunkt und Kommentar protokolliert.Was ist eine Freigabematrix?
5Bestellung und Übergabe an das ERPDer Einkauf legt die Bestellung im ERP an und schickt sie als PDF an den Lieferanten. Tippfehler bei Menge, Preis oder Artikelnummer fallen erst bei der Lieferung oder der Rechnung auf.Die freigegebene Anforderung wird über eine Schnittstelle an das ERP übergeben und dort zur Bestellung. Der Einkauf greift nur ein, wenn eine Regel es verlangt, etwa bei Freitextbedarf oder oberhalb einer Wertgrenze.Beschaffung neben S/4HANA
6Wareneingang und RechnungsprüfungOb geliefert wurde, klärt die Buchhaltung per Rückfrage im Fachbereich. Rechnungen ohne Bestellbezug müssen einzeln zugeordnet, kontiert und freigegeben werden.Der Wareneingang wird im ERP gegen die Bestellung gebucht. Weil Preis, Menge und Kontierung aus der Bestellung stammen, kann die Rechnung gegen Bestellung und Wareneingang geprüft werden, ohne dass jemand nachfragen muss.Der Gesamtprozess: Source-to-Pay
7AuswertungAusgaben werden nachträglich aus Buchungsdaten zusammengesucht. Was über Kreditkarte, Barauslage oder direkt beim Lieferanten bestellt wurde, taucht in keiner Warengruppe auf.Bestellungen liegen mit Warengruppe, Lieferant, Kostenstelle und Besteller vor. Der Einkauf sieht, welche Kataloge genutzt werden, wonach erfolglos gesucht wird und wo am Rahmenvertrag vorbei bestellt wird.

Vorteile der digitalen Beschaffung nach Abteilung

Ob sich die Umstellung lohnt, beurteilt jede Abteilung nach eigenen Maßstäben. Deshalb hier keine allgemeine Liste, sondern die Sicht der fünf Gruppen, die im Projekt mitentscheiden.

  • Einkauf

    Der operative Einkauf hört auf, Bestellungen für andere abzutippen, und gewinnt Zeit für Warengruppen, Lieferanten und Verhandlungen.

    • Katalogbestellungen laufen innerhalb definierter Regeln ohne Eingriff des Einkaufs
    • Verhandelte Konditionen kommen tatsächlich in der Bestellung an, weil der Rahmenvertragsartikel der einfachste Weg ist
    • Maverick Buying wird sichtbar und damit steuerbar
    • Lieferanten pflegen Katalogdaten selbst; der Einkauf prüft und gibt frei
  • Fachbereich und Bedarfsträger

    Wer nur gelegentlich bestellt, will kein ERP bedienen und keine Einkaufsrichtlinie auswendig kennen.

    • Eine Suche statt mehrerer Lieferantenportale, Logins und Preislisten
    • Bestellen ohne Schulung, ähnlich wie in einem Onlineshop
    • Der Status der eigenen Anforderung ist einsehbar: eingereicht, in Freigabe, bestellt
    • Favoriten für wiederkehrende Bedarfe
  • Finanzen und Controlling

    Für die Finanzseite zählt, dass eine Ausgabe bekannt ist, bevor die Rechnung eintrifft.

    • Verpflichtungen sind ab der Bestellanforderung sichtbar, nicht erst mit der Rechnung
    • Kostenstelle und Sachkonto werden bei der Anforderung festgelegt, nicht nachträglich in der Buchhaltung
    • Budgetgrenzen je Kostenstelle greifen vor der Bestellung
    • Rechnungen mit Bestellbezug lassen sich im ERP ohne Rückfragen prüfen
  • IT

    Die IT bewertet, ob die Lösung zur Systemlandschaft passt und wie viel Betrieb sie verursacht.

    • Das ERP bleibt führend für Bestellung, Wareneingang und Rechnung; es wird nicht für Gelegenheitsnutzer umgebaut
    • Anbindung über etablierte Wege wie OCI, cXML oder API statt über Eigenentwicklungen
    • Eine Plattform für mehrere Gesellschaften, auch mit unterschiedlichen ERP-Systemen
    • Das Betriebsmodell folgt den eigenen Vorgaben: im eigenen Rechenzentrum oder in einer Private Cloud
  • Compliance und Revision

    Für Prüfer ist ein Prozess so gut wie sein Nachweis.

    • Jede Freigabe ist mit Person, Zeitpunkt und Kommentar dokumentiert
    • Das Vier-Augen-Prinzip ist im Ablauf verankert, nicht nur in der Richtlinie
    • Änderungen an Katalogen und Preisen sind nachvollziehbar
    • Nachweise und Selbstauskünfte von Lieferanten liegen strukturiert vor, etwa für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Zu Einsparversprechen

Pauschale Prozentwerte zur Kostensenkung finden Sie hier nicht. Wie viel ein Unternehmen spart, hängt von der Zahl der Bestellungen, dem heutigen Aufwand je Vorgang und dem Anteil katalogfähiger Bedarfe ab. Diese Größen lassen sich im eigenen Haus erheben und im ROI-Rechner durchspielen.

Woran Digitalisierungsprojekte im Einkauf scheitern

Wenn Projekte ins Stocken geraten, liegt es selten an der Software und häufiger an Katalogdaten, Zuständigkeiten und Akzeptanz. Sechs typische Hürden und was dagegen hilft.

Woran Digitalisierungsprojekte im Einkauf scheitern
HürdeWas passiertWas hilft
Leere oder veraltete KatalogeZum Start sind nur wenige Lieferanten angebunden. Besteller finden nicht, was sie brauchen, und kehren zu Telefon und E-Mail zurück.Vor dem Start die Warengruppen mit den meisten Bestellvorgängen ermitteln und genau diese Lieferanten zuerst anbinden. Die Katalogpflege dem Lieferanten übertragen, mit Prüfung durch den Einkauf.
Der alte Prozess wird eins zu eins nachgebautJede Sonderregel und jede historisch gewachsene Unterschrift wird ins neue System übernommen. Das Ergebnis ist ein digitaler Prozess, der genauso lange dauert wie der alte.Die Freigabematrix vor der Einführung überarbeiten: wenige Stufen, klare Wertgrenzen, Zuständigkeit nach Kostenstelle.
Ungeklärte SystemgrenzenEs bleibt offen, welches System Lieferanten, Materialnummern und Kostenstellen führt und wo die Bestellung entsteht. Die Folge sind doppelte Datenpflege und Schnittstellen, die niemand verantwortet.Früh festlegen, welches System welchen Schritt führt und welche Belege in welche Richtung ausgetauscht werden.
Zu viel auf einmalAusschreibung, Vertragsmanagement, Katalog, Rechnungseingang und Lieferantenbewertung sollen zum selben Stichtag starten. Einkauf, IT und Finanzen sind über lange Zeit gebunden, und ein Nutzen zeigt sich erst spät.Mit dem Engpass beginnen, meist dem Bestellprozess für indirekte Bedarfe, und von dort aus erweitern.
Bedarfsträger werden zu spät einbezogenDas Projekt wird aus Sicht des Einkaufs geplant. Die Menschen, die täglich bestellen, sehen das System zum ersten Mal in der Schulung.Pilotnutzer aus den Fachbereichen früh beteiligen und die Suche mit ihren tatsächlichen Suchbegriffen testen.
Freitext als DauerlösungWas nicht im Katalog steht, wird als Freitext bestellt. Wächst dieser Anteil, landet die Arbeit wieder im Einkauf, und die Auswertbarkeit geht verloren.Freitextbestellungen regelmäßig auswerten und wiederkehrende Bedarfe in Kataloge oder Formulare überführen.

Fünf Stufen der Digitalisierung im Einkauf

Ein pragmatisches Modell zur Einordnung, keine Norm. Die meisten Unternehmen stehen je nach Warengruppe und Gesellschaft auf unterschiedlichen Stufen. Die Roadmap ergibt sich aus der Frage, was auf der nächsten Stufe fehlt.

  1. Papier, E-Mail und Excel

    Bedarfe werden formlos gemeldet, Freigaben per Unterschrift oder E-Mail erteilt. Das ERP sieht den Vorgang erst mit der Rechnung.

  2. Bestellung im ERP

    Der Einkauf erfasst Bestellanforderungen und Bestellungen im ERP. Bedarfsträger haben keinen eigenen Zugang; der Einkauf tippt ab, was ihm gemeldet wird.

  3. Kataloge für Bedarfsträger

    Bedarfsträger bestellen selbst aus elektronischen Katalogen und angebundenen Lieferantenshops. Preise und Artikel stammen aus verhandelten Sortimenten.

  4. Integrierter Prozess

    Freigaben folgen Regeln, die freigegebene Anforderung geht ohne erneute Erfassung an das ERP, Lieferanten pflegen ihre Kataloge selbst. Freitextbedarfe sind die Ausnahme.

  5. Steuerung über Daten

    Der Einkauf wertet Bestellungen, Suchverhalten und Katalognutzung aus, passt Sortimente und Regeln daran an und rollt den Prozess auf weitere Gesellschaften und Länder aus.

Ovenca setzt an den Stufen drei bis fünf an: Katalog, Bestellanforderung, Freigabe, Übergabe an das ERP und Auswertung der Nutzung.

Was im indirekten Einkauf zuerst digitalisiert werden sollte

Der indirekte Einkauf eignet sich für den Einstieg, weil dort viele gleichartige Vorgänge auf viele Besteller treffen. Eine Reihenfolge, die sich bewährt hat:

  1. Katalogfähige Standardbedarfe

    Büromaterial, Arbeitsschutz, Laborbedarf, Werkzeuge, Verbrauchsmaterial für die Instandhaltung: Artikel mit festen Preisen und wiederkehrendem Bedarf. Hier fallen besonders viele Vorgänge an, und der Katalog ersetzt den Anruf beim Einkauf.

    Kataloge importieren und pflegen

  2. Lieferanten mit eigenem Webshop

    Große Sortimente, etwa von Technikhändlern oder IT-Distributoren, werden per Punchout angebunden. Der Besteller wählt im Shop des Lieferanten, der Warenkorb kommt als Bestellanforderung zurück.

    Was ist ein Punchout-Katalog?

  3. Freigabewege und Wertgrenzen

    Sobald Bestellungen strukturiert vorliegen, lässt sich die Unterschriftenregelung als Freigabematrix abbilden: wer bis zu welchem Wert für welche Kostenstelle genehmigt.

    Freigabematrix im Glossar

  4. Katalogpflege durch Lieferanten

    Preisänderungen und neue Artikel pflegt der Lieferant in einem Portal ein; der Einkauf prüft und gibt frei. Ohne diesen Schritt veralten Kataloge, sobald das Projektteam sich anderen Aufgaben zuwendet.

    Zum Vendor Portal

  5. Bedarfe außerhalb des Katalogs

    Für Dienstleistungen, Sonderanfertigungen und einmalige Bedarfe gibt es Formulare mit Pflichtfeldern statt formloser E-Mails. Der Einkauf erhält vollständige Anfragen und erkennt, welche Bedarfe einen Katalog verdienen.

    Freitextbestellung im Glossar

Welche Warengruppen dazugehören und wie eine Software für den indirekten Einkauf aufgebaut ist, beschreibt eine eigene Seite.

Zum indirekten Einkauf

Fortschritt messen: Kennzahlen für die digitale Beschaffung

Belastbar ist ein Business Case nur mit eigenen Ausgangswerten. Diese Kennzahlen lassen sich vor dem Projekt erheben und danach regelmäßig vergleichen.

Katalogquote
Anteil der Bestellpositionen, die aus einem Katalog oder Punchout-Shop stammen, im Verhältnis zu Freitextpositionen.
Durchlaufzeit
Zeit vom Anlegen der Bestellanforderung bis zur Bestellung beim Lieferanten, getrennt nach Katalog- und Freitextbedarf.
Maverick-Buying-Quote
Anteil der Ausgaben, die am vorgesehenen Bestellweg oder an bestehenden Rahmenverträgen vorbei getätigt werden.
Bestellungen ohne Eingriff des Einkaufs
Anteil der Vorgänge, die nach der Freigabe ohne manuelle Bearbeitung im Einkauf an das ERP gehen.
Rechnungen mit Bestellbezug
Anteil der Eingangsrechnungen, denen eine Bestellung zugrunde liegt. Die Kennzahl stammt aus dem ERP und zeigt, ob der Prozess tatsächlich genutzt wird.
Aktive Besteller
Zahl der Bedarfsträger, die im Zeitraum mindestens einmal über das System bestellt haben, je Gesellschaft oder Standort.

Mit Ihren eigenen Werten für Bestellvolumen und Aufwand je Vorgang können Sie den Effekt im ROI-Rechner abschätzen.

Zum ROI-Rechner

Digitale Beschaffung in der Praxis: LANXESS

„Über die Einbindung von SAP-Kontrakten und Materialnummern in die Produktsuche konnten wir die Automatisierung unserer purchase-to-pay-Prozesse in gewünschter Weise steigern. Auf der übersichtlichen Administrationsebene steuern wir die Freigabe und Verfügbarkeit des Contents, verwalten Benutzerberechtigungen und erhalten die gewünschte Transparenz durch aussagekräftige Reports.“

Projektleiter im Einkauf, LANXESS AG

Die LANXESS AG arbeitet seit 2014 mit Onveda und setzt Ovenca weltweit als eProcurement-Plattform ein. Kontrakte und Materialnummern aus SAP stehen direkt in der Produktsuche.

Zur LANXESS Case Study

Software für die digitale Beschaffung auswählen

Bevor Anbieter verglichen werden, sollten vier Fragen im eigenen Haus beantwortet sein. Sie entscheiden darüber, welche Art von Lösung überhaupt passt.

Umfang und Systemgrenzen

  • Welche Schritte soll die neue Lösung führen, welche bleiben im ERP?
  • Geht es um den Bestellprozess oder auch um Ausschreibung, Vertrag und Rechnungseingang?
  • Welches System führt Lieferanten, Materialnummern und Kostenstellen?
  • Soll mit einem Baustein begonnen und später erweitert werden?

Integration

  • Welche ERP-Systeme sind im Einsatz, auch in Tochtergesellschaften?
  • Werden SAP ECC und S/4HANA über Standardwege angebunden, ohne Modifikation im ERP?
  • Welche Belege werden ausgetauscht und in welche Richtung?
  • Wie werden Schnittstellenfehler erkannt und erneut verarbeitet?

Betrieb und Datenhaltung

  • Ist neben der Public Cloud auch On-Premise oder Private Cloud möglich?
  • Wo liegen Daten und Backups, und wer hat administrativen Zugriff?
  • Wer bestimmt den Zeitpunkt von Updates?
  • Wie erhalten Sie Ihre Daten bei Vertragsende zurück?

Akzeptanz und Lieferanten

  • Finden gelegentliche Besteller ohne Schulung, was sie brauchen?
  • Wie pflegen Lieferanten ihre Katalogdaten, und fallen für sie Gebühren an?
  • Wie werden Bedarfe behandelt, die nicht im Katalog stehen?
  • Gibt es eine Referenz in vergleichbarer Größe und Systemlandschaft?

Die ausführliche Checkliste mit Fragen für das Lastenheft steht auf der Seite zu Source-to-Pay.

Zur Checkliste für die Softwareauswahl

Fragen und Antworten zur digitalen Beschaffung

Digitale Beschaffung ist die durchgängig elektronische Abwicklung des Einkaufs, vom Bedarf über Bestellanforderung, Freigabe und Bestellung bis zu Wareneingang, Rechnung und Auswertung. Kennzeichnend ist, dass Daten einmal strukturiert erfasst und ohne Medienbruch von System zu System weitergegeben werden.

E-Procurement, auf Deutsch elektronische Beschaffung, bezeichnet die Abwicklung von Bestellvorgängen über internetbasierte Systeme: elektronische Kataloge, Bestellanforderung, Freigabeworkflow und die Übergabe der Bestellung an das ERP. Der Schwerpunkt liegt auf dem operativen Einkauf, besonders bei indirekten Bedarfen.

E-Procurement ist ein Teil der digitalen Beschaffung. Es deckt den operativen Bestellprozess ab. Digitale Beschaffung ist der Oberbegriff und schließt zusätzlich Ausschreibung, Vertragsmanagement, Lieferantenmanagement, Rechnungsverarbeitung und Auswertung ein.

Einkauf 4.0 überträgt den Gedanken von Industrie 4.0 auf die Beschaffung: Systeme von Einkauf, Produktion, Logistik und Lieferanten sind vernetzt, Routinevorgänge laufen weitgehend automatisch. Der Begriff beschreibt ein Zielbild und kein Produkt. Konkrete Projekte auf dem Weg dorthin sind etwa elektronische Kataloge, regelbasierte Freigaben und die Integration mit dem ERP.

Lieferanten stellen ihr Sortiment als elektronischen Katalog oder per Punchout bereit. Bedarfsträger suchen darin, legen Artikel in den Warenkorb und erzeugen eine Bestellanforderung. Das System leitet sie nach Wert und Kostenstelle zur Freigabe weiter. Die freigegebene Anforderung geht über eine Schnittstelle an das ERP und wird dort zur Bestellung. Wareneingang und Rechnungsprüfung erfolgen im ERP mit Bezug auf die Bestellung.

Der Einkauf wird von Routinebestellungen entlastet, und verhandelte Konditionen werden genutzt. Fachbereiche bestellen ohne Umweg und sehen den Status ihrer Anforderung. Die Finanzabteilung kennt Verpflichtungen vor der Rechnung und erhält Rechnungen mit Bestellbezug. Die IT behält das ERP als führendes System. Die Revision findet jede Freigabe dokumentiert vor.

Der Aufwand liegt weniger in der Software als in der Vorbereitung: Kataloge müssen aufgebaut, Lieferanten angebunden, Freigaberegeln geklärt und Schnittstellen zum ERP betrieben werden. Ohne gepflegte Kataloge nutzen Besteller das System nicht. Wird der alte Prozess unverändert nachgebaut, bleibt auch die Durchlaufzeit unverändert.

Mit dem Bestellprozess für katalogfähige indirekte Bedarfe wie Büromaterial, Arbeitsschutz oder Laborbedarf. Dort gibt es besonders viele gleichartige Vorgänge, und der Nutzen ist für Besteller unmittelbar spürbar. Danach folgen Freigaberegeln, die Katalogpflege durch Lieferanten und strukturierte Formulare für Bedarfe außerhalb des Katalogs.

Das hängt vom Umfang ab. Das ERP bildet Bestellung, Wareneingang und Rechnung ab, ist aber für gelegentliche Besteller meist zu komplex. Ein E-Procurement-System ergänzt Katalog, Einkaufsshop, Freigaben und Lieferantenportal vor dem ERP. Integrierte Suiten decken zusätzlich Ausschreibung, Vertrag und Rechnungsverarbeitung ab. Ovenca gehört zur zweiten Kategorie; Ausschreibungen, Vertragsverwaltung und Rechnungseingang sind nicht enthalten.

Ja. Ovenca wird per OCI-Punchout, cXML oder API an SAP ERP und S/4HANA angebunden. Microsoft Dynamics, Oracle, Infor und proprietäre ERP-Systeme werden auf demselben Weg angebunden. Gesellschaften mit unterschiedlichen ERP-Systemen können dieselbe Plattform nutzen.

Mit Kennzahlen, die vor dem Projekt erhoben und danach verglichen werden: Katalogquote, Durchlaufzeit von der Bestellanforderung bis zur Bestellung, Anteil der Bestellungen ohne Eingriff des Einkaufs, Maverick-Buying-Quote und Anteil der Rechnungen mit Bestellbezug. Allgemeine Benchmarks ersetzen die eigenen Ausgangswerte nicht.

Das hängt vom Umfang ab. Ein Start mit Katalog und Lieferantenportal ist das kleinste Vorhaben, weil die Prozesse im ERP unverändert bleiben. Die Ablösung einer bestehenden Einkaufsplattform einschließlich Katalogübernahme, Lieferanten-Onboarding und Integration ist deutlich umfangreicher. Einen belastbaren Zeitplan gibt es, sobald Systemlandschaft, Katalogbestand und Schnittstellen aufgenommen sind.

Nur eingeschränkt. Öffentliche Auftraggeber unterliegen dem Vergaberecht; die elektronische Vergabe (E-Vergabe) folgt eigenen Regeln und nutzt eigene Plattformen. Diese Seite beschreibt die Beschaffung in Unternehmen der Privatwirtschaft, in denen Rahmenverträge, Kataloge und interne Freigaben den Ablauf bestimmen.

Weiterführende Seiten

Die einzelnen Bausteine der digitalen Beschaffung und die angrenzenden Themen im Detail.

  • Source-to-Pay

    Der Gesamtprozess von der Lieferantensuche bis zur Zahlung, Phase für Phase.

  • Indirekter Einkauf

    Warengruppen, typische Probleme und Software für indirekte Bedarfe.

  • Catalog Management

    Lieferantenkataloge importieren, validieren und mit Kontrakten verknüpfen.

  • Catalog Shop

    Suche, Warenkorb und Bestellanforderung für Bedarfsträger.

  • Vendor Portal

    Lieferanten pflegen Kataloge und Nachweise selbst, mit Freigabe durch den Einkauf.

  • S/4HANA Beschaffung

    Indirekter Einkauf neben S/4HANA, angebunden per OCI, cXML und API.

Wo steht Ihr Einkauf, und was wäre der nächste Schritt?

In einem Gespräch ordnen wir Ihre Bestellwege, Systeme und Schnittstellen ein und sagen Ihnen offen, welche Schritte Ovenca übernimmt und welche im ERP bleiben.