BANF - Die Bestellanforderung im Beschaffungsprozess

Von der Bedarfserfassung bis zur genehmigten Bestellung

Die Bestellanforderung (BANF) ist die interne Anforderung, mit der ein Bedarfsträger die Beschaffung von Waren oder Dienstleistungen anstößt. Sie durchläuft eine Freigabe und wird anschließend in eine verbindliche Bestellung an den Lieferanten umgewandelt.

Mehr erfahren
  • Strukturierte Bedarfserfassung
  • Mehrstufige Freigabe-Workflows
  • Katalog- und Freitext-Positionen
  • Umwandlung in Bestellung

Was ist eine BANF?

Eine BANF (Bestellanforderung) ist die interne Aufforderung eines Bedarfsträgers an den Einkauf, eine bestimmte Ware oder Dienstleistung in einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Termin zu beschaffen. Sie wird geprüft und freigegeben und erst danach in eine Bestellung an den Lieferanten umgesetzt; die BANF selbst bindet das Unternehmen nach außen nicht.

BANF, Bestellanforderung, Bedarfsanforderung: die Begriffe

BANF ist die in SAP gebräuchliche Abkürzung für Bestellanforderung und hat sich als allgemeiner Begriff im deutschsprachigen Einkauf durchgesetzt. Im Englischen heißt der Beleg Purchase Requisition, kurz PR.

Bedarfsanforderung und Bedarfsmeldung werden in vielen Unternehmen gleichbedeutend verwendet. Manche Organisationen unterscheiden feiner: Die Bedarfsmeldung ist dann die noch formlose Anfrage aus dem Fachbereich, die Bestellanforderung der formale Beleg im System mit Kontierung und Freigabe.

Bestellanforderung und Bestellung im Vergleich

KriteriumBestellanforderung (BANF)Bestellung
RichtungIntern: vom Bedarfsträger an den EinkaufExtern: vom Unternehmen an den Lieferanten
WirkungKeine Verpflichtung gegenüber DrittenVerbindlicher Auftrag an den Lieferanten
Wer legt an?Bedarfsträger, Disposition oder ein vorgelagertes SystemEinkauf, oder automatisch aus der freigegebenen BANF
LieferantKann offen sein oder als Wunschlieferant vorgeschlagen werdenZwingend festgelegt
PreisGeschätzter Preis oder Katalogpreis als Grundlage der FreigabeVereinbarter Preis und Konditionen
FreigabeFachliche und budgetäre Genehmigung des BedarfsJe nach Regelwerk eigene Freigabe des Einkaufs
FolgebelegeAnfrage, BestellungWareneingang, Rechnung

Typische Felder einer BANF

Je vollständiger eine BANF ausgefüllt ist, desto seltener muss der Einkauf nachfragen. Die folgenden Angaben finden sich in praktisch jedem System, auch wenn die Feldnamen abweichen.

FeldBedeutung
AnfordererPerson oder Abteilung, die den Bedarf hat
Material oder KurztextMaterialnummer bei Lagermaterial, Katalogartikel oder frei formulierte Beschreibung
Menge und MengeneinheitWie viel benötigt wird und in welcher Einheit
LieferdatumTermin, zu dem die Ware oder Leistung benötigt wird
Werk und LieferadresseWohin geliefert werden soll
WarengruppeEinordnung des Bedarfs; steuert oft die Zuständigkeit im Einkauf und die Freigabe
KontierungWer die Kosten trägt: Kostenstelle, Auftrag, Projekt oder Anlage, dazu das Sachkonto
PreisKatalogpreis oder Schätzwert; aus Menge und Preis ergibt sich der Wert, an dem die Freigabe hängt
Wunschlieferant oder BezugsquelleVorschlag des Anforderers oder Verweis auf Rahmenvertrag und Katalog
EinkäufergruppeZuständige Einkäuferin oder zuständiges Team
Begründung und AnlagenZweck des Bedarfs, Angebote, Spezifikationen

Der Freigabeablauf einer BANF

  1. Erfassen

    Der Bedarfsträger legt die BANF an, aus einem Katalog, mit einem Formular oder als Freitext, und ergänzt Kontierung und Termin.

  2. Formale Prüfung

    Das System prüft Pflichtfelder und Kontierung. Viele Unternehmen prüfen an dieser Stelle auch das verfügbare Budget.

  3. Freigabe nach Wert und Zuständigkeit

    Anhand von Wert, Kostenstelle und Warengruppe bestimmt die Freigabematrix, wer genehmigen muss. Bei höheren Werten folgen weitere Stufen nacheinander.

  4. Ablehnung oder Rückfrage

    Lehnt eine Stufe ab, geht die BANF mit Begründung an den Anforderer zurück, der sie ändern und erneut einreichen kann.

  5. Bezugsquelle zuordnen

    Der Einkauf ordnet der freigegebenen BANF einen Lieferanten zu, sofern Katalog oder Rahmenvertrag das nicht bereits vorgeben, und holt bei Bedarf Angebote ein.

  6. Umsetzen in eine Bestellung

    Aus der BANF entsteht die Bestellung, manuell durch den Einkauf oder automatisch, wenn Lieferant und Preis feststehen. Die BANF bleibt als Ursprungsbeleg mit der Bestellung verknüpft.

In SAP wird die Freigabe von Bestellanforderungen klassisch über Freigabestrategien mit Freigabecodes abgebildet; in S/4HANA stehen dafür zusätzlich flexible Workflows zur Verfügung.

BANF erstellen: Schritt für Schritt

  1. Bedarf klären

    Was genau wird gebraucht, in welcher Menge und bis wann? Gibt es dafür bereits einen Katalogartikel oder einen Rahmenvertrag?

  2. Position anlegen

    Katalogartikel auswählen oder, wenn es keinen gibt, den Bedarf als Freitext so beschreiben, dass der Einkauf ohne Rückfrage anfragen kann.

  3. Menge, Termin und Lieferort eintragen

    Realistische Termine nennen; ein pauschales sofort hilft dem Einkauf nicht bei der Priorisierung.

  4. Kontieren

    Kostenstelle, Auftrag oder Projekt angeben. Eine falsche Kontierung ist der häufigste Grund für Rückläufer.

  5. Preis und Unterlagen ergänzen

    Bei Freitextpositionen einen Schätzpreis angeben und vorhandene Angebote anhängen.

  6. Prüfen und absenden

    Nach dem Sichern startet die Freigabe. Den Status können Anforderer in der Regel jederzeit einsehen.

In SAP ERP und S/4HANA wird eine Bestellanforderung mit der Transaktion ME51N angelegt, mit ME52N geändert und mit ME53N angezeigt. Die Einzelfreigabe erfolgt mit ME54N, die Sammelfreigabe mit ME55. Die Bestellung zur BANF legt der Einkauf mit ME21N an; ME59N erzeugt Bestellungen automatisch aus zugeordneten Bestellanforderungen. In S/4HANA gibt es für diese Schritte zusätzlich Fiori-Apps.

eBANF: die elektronische Bestellanforderung

Als eBANF wird eine Bestellanforderung bezeichnet, die vollständig digital erfasst und freigegeben wird, meist in einer Weboberfläche statt auf Papier, in Excel oder per E-Mail. Der Begriff ist kein Standard, sondern eine verbreitete Bezeichnung für Lösungen, die das Erfassen für Gelegenheitsnutzer vereinfachen.

Typische Merkmale einer eBANF sind die Auswahl aus Katalogen statt freier Texteingabe, geführte Formulare für wiederkehrende Bedarfe, automatische Weiterleitung an die zuständigen Genehmiger, Statusverfolgung für den Anforderer und die Übergabe der freigegebenen Anforderung an das ERP. In SAP entsteht daraus am Ende wieder eine reguläre Bestellanforderung oder direkt eine Bestellung.

Woran BANFen in der Praxis hängen bleiben

  • Unklare Freitexte: Der Einkauf muss nachfragen, was genau gemeint ist.
  • Fehlende oder falsche Kontierung: Die BANF kommt zurück, bevor sie die Freigabe erreicht.
  • Abwesende Genehmiger ohne Vertretungsregel: Die Anforderung liegt, bis jemand nachhakt.
  • Aufgeteilte Bedarfe: Eine Anforderung wird in mehrere kleine zerlegt, um unter einer Wertgrenze zu bleiben.
  • Bestellung vor der BANF: Die Ware ist bereits geordert, und die Anforderung wird nur noch nachträglich angelegt.

Verwandte Begriffe und passende Ovenca-Module

Wie eine BANF den Einkauf strukturiert

Von der Bedarfserfassung über die Freigabe bis zur Bestellung

  • Bedarfserfassung

    Der Bedarfsträger erfasst seinen Bedarf in einer Bestellanforderung. Positionen stammen entweder aus freigegebenen Katalogen oder werden als Freitext-BANF erfasst, wenn kein Katalogartikel vorliegt. Menge, Kostenstelle und benötigter Termin werden hinterlegt, sodass der Einkauf eine vollständige Grundlage für die weitere Bearbeitung erhält.

    • Katalog- oder Freitext-Position
    • Kostenstelle und Menge
    • Bedarfstermin und Begründung
  • Freigabe und Genehmigung

    Vor der Bestellung durchläuft die BANF einen Genehmigungsprozess. Abhängig von Wert, Warengruppe oder Kostenstelle wird sie über mehrstufige Freigabe-Workflows an die zuständigen Genehmiger geleitet. So stellen Unternehmen sicher, dass Beschaffungen budget- und richtlinienkonform sind, bevor eine verbindliche Verpflichtung gegenüber dem Lieferanten entsteht.

    • Mehrstufige Genehmigung
    • Regeln nach Wert und Warengruppe
    • Rollen- und Rechtesteuerung
  • Umwandlung in Bestellung

    Nach der Freigabe wird die Bestellanforderung in eine Bestellung umgewandelt und an den Lieferanten übermittelt. Die BANF selbst bleibt intern, die Bestellung ist die externe Verpflichtung. Jeder Schritt bleibt nachvollziehbar, was Transparenz über den gesamten Beschaffungsvorgang und eine saubere Audit-Grundlage schafft.

    • Freigegebene BANF wird Bestellung
    • Übermittlung an den Lieferanten
    • Durchgängige Nachvollziehbarkeit

BANF-Prozesse mit Ovenca abbilden

Ovenca bildet den gesamten BANF-Prozess ab - von der Bedarfserfassung über die Freigabe bis zur Übergabe der Bestellung an Ihr ERP-System.

Erfassung im Katalog-Shop
Bedarfsträger erfassen Anforderungen als Warenkorb im Katalog-Shop - mit Katalog- oder Freitext-Positionen. Aus dem Warenkorb entsteht die Bestellanforderung, die anschließend in die Freigabe läuft.
Mehrstufige Freigabe
Ovenca unterstützt mehrstufige Freigabe-Workflows und ein feingranulares Rollen- und Rechtemanagement über das Modul Admin-Governance. So bleiben Genehmigungen richtlinienkonform und nachvollziehbar.
Übergabe an Ihr ERP
Über eine Schnittstelle übergibt Ovenca die freigegebene Anforderung beziehungsweise Bestellung an Ihr ERP-System. Die Plattform ist ERP-agnostisch und läuft On-Premise, in der Private Cloud oder hybrid.

BANF: Fragen und Antworten

Bereit für digitale BANF-Prozesse?

Lassen Sie uns in einem Gespräch klären, wie Ovenca Ihre Bestellanforderungen von der Bedarfserfassung bis zur Übergabe an Ihr ERP-System durchgängig abbildet.