BMEcat: das XML-Format für elektronische Produktkataloge

Aufbau, Versionen und Klassifikation nach ECLASS und UNSPSC

BMEcat ist ein XML-basierter Standard, mit dem Lieferanten ihre Produktkataloge an einkaufende Unternehmen übertragen. Dieser Eintrag erklärt Aufbau und Versionen, grenzt BMEcat von OCI und Punchout ab und ordnet die Klassifikationssysteme ECLASS und UNSPSC ein.

  • Aufbau einer BMEcat-Datei
  • Versionen 1.2 und 2005
  • BMEcat oder OCI-Katalog
  • ECLASS und UNSPSC

Was ist BMEcat?

BMEcat ist ein XML-basierter Standard für den elektronischen Austausch von Produktkatalogen zwischen Lieferanten und einkaufenden Unternehmen. Herausgeber ist der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME). Eine BMEcat-Datei enthält Artikeldaten, Preise, Bestellangaben, Klassifikation und Verweise auf Bilder und Dokumente in einer festgelegten Struktur, sodass das empfangende System sie ohne manuelle Erfassung einlesen kann.

  • BMECATDie Katalogdatei
  • HEADERAngaben zum Katalog, zum Lieferanten und zum Käufer
  • T_NEW_CATALOGVollständiger Katalog mit allen Artikeln
  • ARTICLEEin Artikel, so oft wie der Katalog Artikel hat
  • SUPPLIER_AIDArtikelnummer des Lieferanten
  • ARTICLE_DETAILSKurz- und Langbeschreibung, Hersteller
  • ARTICLE_FEATURESKlassifikation und Merkmale, etwa ECLASS oder UNSPSC
  • ARTICLE_ORDER_DETAILSBestelleinheit und Mengen
  • ARTICLE_PRICE_DETAILSPreise mit Währung und Gültigkeit
  • MIME_INFOVerweise auf Bilder und Datenblätter
Vereinfachte Darstellung für BMEcat 1.2. In BMEcat 2005 heißt ARTICLE PRODUCT, SUPPLIER_AID heißt SUPPLIER_PID.

Wozu BMEcat dient

Ein Lieferant mit vielen Kunden und ein Einkauf mit vielen Lieferanten brauchen ein gemeinsames Format für Katalogdaten. Ohne Standard liefert jeder Lieferant eine anders aufgebaute Tabelle, und jede Datei muss einzeln angepasst werden.

BMEcat legt fest, welche Angaben ein Katalog enthält, wie sie heißen und in welcher Reihenfolge sie stehen. Der Lieferant erzeugt die Datei aus seinem Warenwirtschafts- oder Produktdatensystem. Das Einkaufssystem des Kunden liest sie ein und stellt die Artikel als gehosteten Katalog bereit.

Der Standard entstand auf Initiative des BME. Die erste Version erschien 1999, Version 1.2 wurde 2001 vorgestellt, BMEcat 2005 folgte im November 2005. 2012 erschien BMEcat 2005.1, aktuell ist laut BME die Version 2005.2.

Aufbau einer BMEcat-Datei

Eine BMEcat-Datei ist ein XML-Dokument mit dem Wurzelelement BMECAT. Sie besteht aus einem Kopfteil und einem Transaktionsteil.

BereichInhalt
Kopf (HEADER)Katalogkennung, Katalogversion, Sprache, Angaben zu Lieferant und einkaufendem Unternehmen, Vorgaben wie Währung
TransaktionArt der Lieferung: neuer Katalog (T_NEW_CATALOG), Aktualisierung von Produktdaten (T_UPDATE_PRODUCTS) oder Aktualisierung von Preisen (T_UPDATE_PRICES)
ArtikeldatenArtikelnummer des Lieferanten, Kurz- und Langbeschreibung, Herstellerangaben, Schlagworte
Klassifikation und MerkmaleZuordnung zu einem Klassifikationssystem wie ECLASS oder UNSPSC, dazu Merkmale mit Werten und Einheiten
BestellangabenBestelleinheit, Inhaltseinheit, Mindestmenge, Mengenintervall
PreisePreisart, Betrag, Währung, Steuersatz, Staffeln und Gültigkeit
MedienverweiseVerweise auf Bilder, Datenblätter und weitere Dokumente (MIME_INFO)
KataloggruppenEigene Gliederung des Lieferanten, in der die Artikel für die Navigation einsortiert sind
<BMECAT version="1.2">
  <HEADER>
    <CATALOG>
      <LANGUAGE>deu</LANGUAGE>
      <CATALOG_ID>BUEROBEDARF-2026</CATALOG_ID>
      <CATALOG_VERSION>001.000</CATALOG_VERSION>
    </CATALOG>
    <BUYER>...</BUYER>
    <SUPPLIER>...</SUPPLIER>
  </HEADER>
  <T_NEW_CATALOG>
    <ARTICLE>
      <SUPPLIER_AID>4711</SUPPLIER_AID>
      <ARTICLE_DETAILS>
        <DESCRIPTION_SHORT>Kopierpapier A4, 80 g, 500 Blatt</DESCRIPTION_SHORT>
      </ARTICLE_DETAILS>
      <ARTICLE_FEATURES>
        <REFERENCE_FEATURE_SYSTEM_NAME>...</REFERENCE_FEATURE_SYSTEM_NAME>
        <REFERENCE_FEATURE_GROUP_ID>...</REFERENCE_FEATURE_GROUP_ID>
      </ARTICLE_FEATURES>
      <ARTICLE_ORDER_DETAILS>
        <ORDER_UNIT>C62</ORDER_UNIT>
      </ARTICLE_ORDER_DETAILS>
      <ARTICLE_PRICE_DETAILS>
        <ARTICLE_PRICE price_type="net_customer">
          <PRICE_AMOUNT>4.20</PRICE_AMOUNT>
          <PRICE_CURRENCY>EUR</PRICE_CURRENCY>
        </ARTICLE_PRICE>
      </ARTICLE_PRICE_DETAILS>
      <MIME_INFO>
        <MIME>
          <MIME_SOURCE>4711.jpg</MIME_SOURCE>
        </MIME>
      </MIME_INFO>
    </ARTICLE>
  </T_NEW_CATALOG>
</BMECAT>
Stark gekürztes Beispiel in der Schreibweise von BMEcat 1.2. Es zeigt die Struktur und ist keine vollständige, gültige Katalogdatei.

Bilder und Dokumente sind nicht in der XML-Datei enthalten. Die Datei verweist nur auf sie, die Dateien selbst werden getrennt übertragen.

BMEcat 1.2 und BMEcat 2005

In Katalogprojekten begegnen Ihnen vor allem zwei Versionen. Welche davon gilt, bestimmt das System, das den Katalog einliest.

KriteriumBMEcat 1.2BMEcat 2005
Veröffentlichung2001November 2005
Bezeichnung der PositionArtikel (ARTICLE, SUPPLIER_AID)Produkt (PRODUCT, SUPPLIER_PID)
SchwerpunkteArtikeldaten, Preise, Bestellangaben, Klassifikation, MedienverweiseZusätzlich unter anderem mehrsprachige Inhalte, komplexere Preismodelle und konfigurierbare Produkte
Verhältnis zueinanderVorgängerNachfolger mit umbenannten Elementen. Ob ein Zielsystem beide Versionen einliest, hängt vom System ab.

Klären Sie vor der ersten Lieferung, welche Version, welche Pflichtfelder und welche Klassifikation das empfangende System erwartet. Eine formal gültige BMEcat-Datei ist noch kein Katalog, der sich ohne Nacharbeit einlesen lässt.

BMEcat und OCI-Katalog: der Unterschied

BMEcat und OCI werden oft in einem Atemzug genannt, lösen aber verschiedene Aufgaben. BMEcat ist ein Dateiformat für Katalogdaten. OCI ist eine Schnittstelle, über die ein Benutzer aus dem Einkaufssystem in den Webshop des Lieferanten wechselt und seinen Warenkorb zurückbringt.

KriteriumBMEcat-KatalogOCI-Katalog (Punchout)
ArtDatei mit KatalogdatenSchnittstelle zum Shop des Lieferanten
Wo liegen die Daten?Im Einkaufssystem des Kunden (gehosteter Katalog)Im Shop des Lieferanten
AktualisierungDurch eine neue Lieferung oder eine AktualisierungsdateiIm Shop des Lieferanten, ohne Dateiaustausch
Prüfung durch den EinkaufVor der Freigabe des Katalogs möglichAm Warenkorb, der aus dem Shop zurückkommt
SucheGemeinsam mit anderen Katalogen im EinkaufssystemIm jeweiligen Lieferantenshop
Typischer EinsatzFeste Sortimente mit vereinbarten PreisenGroße oder häufig wechselnde Sortimente, konfigurierbare Produkte

Viele Unternehmen nutzen beides nebeneinander: gehostete Kataloge für das Kernsortiment und Punchout für Lieferanten, deren Sortiment sich nicht sinnvoll als Datei pflegen lässt.

Klassifikation im Katalog: ECLASS und UNSPSC

Ein Klassifikationssystem ordnet jeden Artikel einer Klasse in einer festen Hierarchie zu. Der Einkauf nutzt diese Zuordnung für die Navigation im Katalog, für Auswertungen nach Warengruppen und für die Zuordnung zu Warengruppen im ERP. BMEcat transportiert die Klassifikation, legt aber nicht fest, welches System verwendet wird.

ECLASS, früher eCl@ss geschrieben, ist ein Standard zur Klassifikation und Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen. Herausgeber ist der ECLASS e. V. mit Sitz in Köln. Die Klassen sind in vier Ebenen gegliedert: Sachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe. Zusätzlich zu den Klassen definiert ECLASS Merkmale, mit denen sich Produkte einheitlich beschreiben lassen.

Eine eCl@ss-Nummer ist der achtstellige Code einer ECLASS-Klasse. Jede der vier Ebenen belegt zwei Ziffern. Die ersten beiden Ziffern bezeichnen das Sachgebiet, alle acht Ziffern zusammen die Untergruppe, der ein Artikel zugeordnet ist. ECLASS wird in Releases fortgeschrieben, deshalb gehört zur Nummer immer die Angabe des verwendeten Release.

UNSPSC steht für United Nations Standard Products and Services Code. Der Code wurde 1998 vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) gemeinsam mit Dun & Bradstreet entwickelt. Bis Ende 2024 betreute GS1 US den Code im Auftrag des UNDP, seit 2025 liegt die Pflege wieder beim UNDP. Auch UNSPSC verwendet achtstellige Codes in vier Ebenen: Segment, Family, Class und Commodity.

KriteriumECLASSUNSPSC
TrägerECLASS e. V., KölnEntwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)
CodeAchtstellig, zwei Ziffern je EbeneAchtstellig, zwei Ziffern je Ebene
EbenenSachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe, UntergruppeSegment, Family, Class, Commodity
UmfangKlassen und zusätzlich Merkmale zur Beschreibung der ProdukteKlassifikation von Produkten und Dienstleistungen

Die beiden Systeme sind unabhängig voneinander aufgebaut. Derselbe achtstellige Code bedeutet in ECLASS etwas anderes als in UNSPSC, deshalb muss ein Katalog immer angeben, auf welches System und welche Version sich seine Codes beziehen.

Woran BMEcat-Importe in der Praxis scheitern

  • Version oder Pflichtfelder passen nicht zu dem, was das empfangende System erwartet.
  • Mengeneinheiten des Lieferanten entsprechen nicht den Einheiten im ERP des Kunden.
  • Klassifikationscodes fehlen, sind veraltet oder stammen aus einem anderen System als vereinbart.
  • Preise stehen ohne Gültigkeit, ohne Währung oder mit falscher Preiseinheit im Katalog.
  • Verweise auf Bilder und Datenblätter zeigen auf Dateien, die nicht mitgeliefert wurden.
  • Kurzbeschreibungen sind so knapp oder uneinheitlich, dass Bedarfsträger den Artikel in der Suche nicht finden.

Verwandte Begriffe und passende Ovenca-Module

  • OCI-Katalog

    Der Katalog, der im Shop des Lieferanten bleibt.

  • Punchout-Katalog

    Ablauf einer Punchout-Sitzung und Abgrenzung zum gehosteten Katalog.

  • cXML

    Das XML-Protokoll für Punchout und Belegaustausch.

  • Katalogdatenqualität

    Typische Fehler in Lieferantenkatalogen und wie sie vor der Freigabe auffallen.

  • Catalog Management

    Lieferantenkataloge importieren, prüfen, zuordnen und freigeben.

  • Vendor Portal

    Lieferanten reichen Kataloge ein und korrigieren Fehler selbst.

Wie ein BMEcat-Katalog in den Einkauf gelangt

Vom Export beim Lieferanten bis zum bestellbaren Artikel, unabhängig vom eingesetzten System

  • Erstellen beim Lieferanten

    Der Lieferant erzeugt die BMEcat-Datei aus seinem Warenwirtschafts- oder Produktdatensystem. Er liefert das mit dem Kunden vereinbarte Sortiment mit den vereinbarten Preisen und der vereinbarten Klassifikation.

    • Vereinbartes Sortiment
    • Kundenspezifische Preise
    • Klassifikation und Merkmale
  • Übertragen und prüfen

    Die Datei wird an das Einkaufssystem übergeben. Was dort geprüft wird, hängt vom System ab. Üblich sind Struktur, Pflichtfelder, Mengeneinheiten, Preise und Klassifikationscodes.

    • Strukturprüfung der XML-Datei
    • Pflichtfelder und Einheiten
    • Preise und Klassifikation
  • Freigeben und bestellen

    Nach der Prüfung gibt der Einkauf den Katalog frei. Erst danach erscheinen die Artikel für Bedarfsträger. Preisänderungen und Sortimentsänderungen kommen mit einer neuen Lieferung des Katalogs.

    • Freigabe durch den Einkauf
    • Artikel in der Katalogsuche
    • Aktualisierung durch neue Lieferung

BMEcat-Kataloge in Ovenca

Ovenca importiert Lieferantenkataloge als CSV, Excel oder BMEcat und führt sie durch Prüfung und Freigabe, bevor sie bestellbar sind.

Import in drei Formaten
Lieferanten liefern ihren Katalog als CSV, Excel oder BMEcat. Lieferanten ohne BMEcat-Export sind damit nicht ausgeschlossen.
Prüfung bei der Einreichung
Ovenca prüft einen Katalog, sobald er eingereicht wird. Der Lieferant sieht im Vendor Portal eine Problemliste je Artikel und korrigiert die Fehler selbst.
Freigabe durch den Einkauf
Der Einkauf gibt einen Katalog frei, bevor seine Artikel im Catalog Shop bestellbar sind.
Zuordnung zu ERP-Werten
Im Catalog Management werden die Mengeneinheiten und die UNSPSC-Klassifikation der Lieferanten den Werten Ihres ERP zugeordnet.
Punchout neben dem gehosteten Katalog
Lieferanten, deren Sortiment im eigenen Shop bleibt, werden als Punchout-Katalog über OCI oder cXML angebunden.

BMEcat: Fragen und Antworten

Lieferantenkataloge geprüft in den Catalog Shop bringen

Wir zeigen Ihnen, wie Lieferanten ihre Kataloge einreichen, wie Fehler vor der Freigabe auffallen und wie die Artikel für Ihre Bedarfsträger bestellbar werden.